Baden-Baden, 9.11.2008. Etwa 10 Teilnehmer sind dem Aufruf des Kreisverbandes der Partei Die Linke gefolgt und haben am Jahrestag des Beginns der öffentlichen Judenverfolgung in Deutschland Blumen an der Stelle der niedergebrannten Synagoge in der Baden-Badener Stefanienstraße abgelegt.
Kurze Statements erinnerten an die fürchterlichen Verbrechen, die von diesem Tage an im Namen der schweigenden Mehrheit der Deutschen an ihren jüdischen Mitbürgern öffentlich begangen wurden. Sie gemahnten aber auch daran, daß schon fünf Jahre vorher Kommunisten und Sozialisten in Gestapohaft und Konzentrationslagern ums Leben gekommen seien.
„Ich kann nicht verstehen“, sagte ein Teilnehmer der Gedenkaktion, „warum wir heute wieder ausgegrenzt werden“. Er finde es unerträglich, daß im Bundestag keine gemeinsame Erklärung aller Parteien zum Jahrestag der Pogromnacht zustande gekommen sei. Und es sei ihm schlechterdings unverständlich, daß es der Linken nicht erlaubt werde, des Holocausts gemeinsam mit den heutigen Mehrheitsparteien zu gedenken. „Da läuft was parallel“, ist seine Meinung, und er fürchte, daß sich Geschichte trotz aller anderslautenden Beteuerungen wiederholen könne.
Aus diesem Grunde schloß die Veranstaltung auch die anderen Opfer des Faschismus in das Gedenken mit ein, deren Tod und Verfolgung aus unverständlichen Gründen oft gewissermaßen als „Kollateralschaden“ banalisiert werde, obwohl doch erst das Ausschalten der linken gesellschaftlichen Gegenkräfte die Nazi-Verbrechen an den Juden ermöglicht habe.
© Dr. Marduk Buscher